Pfarrerin Ulrike Walter

Hauptstraße 51

74925 Epfenbach

Telefon: 07263-5857

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E-Mail: Ulrike.Walter@kbz.ekiba.de



 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

über Monate war für viele Menschen das Telefon (fast) die einzige Verbindung zu anderen Menschen. Persönliche Begegnungen mussten auf das Notwendigste beschränkt werden. In Krankenhäusern und Seniorenheimen konnten Besuche über einen langen Zeitraum kaum oder nur eingeschränkt wahrgenommen werden. Wo es möglich war, wurde über das Telefon der Kontakt gehalten.

„Rufe mich an!“ war ein vielfach ausgesprochenes Angebot in dieser Zeit, auch im Pfarramt. Zahlreiche Gemeindeglieder nutzten denn auch die Gelegenheit, um sich mit mir am Telefon auszutauschen, persönliche Gespräche zu führen, Ängste und Sorgen auszusprechen, Zuspruch zu erhalten oder einfach mal zu reden. Und auch die Telefonandachten der Passions- und Osterzeit wurden rege an- und abgerufen.

Eine Einladung, anzurufen, die Einladung Gottes, IHN anzurufen, hat der Beter des 50. Psalms so formuliert:

 

„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“

 

Anruf bei Gott nennen wir „Gebet“. Jederzeit und an jedem Ort ist es möglich, zu beten, mit Gott zu sprechen. Seine Leitung ist immer frei. „Not lehrt beten“, sagt der Volksmund. So sind wir eher dabei, Gott anzurufen, wenn das Leben nicht in gewohnten Bahnen läuft, wenn Krankheit uns trifft, ein Abschied, eine Ungerechtigkeit – oder eine Pandemie.

Gleich zu Beginn haben wir Kerzen ins Fenster gestellt und zum gemeinsamen Gebet aufgerufen. So lange keine Gottesdienste in den Kirchen gefeiert werden konnten, haben die Kirchenglocken Abend für Abend eingeladen, zu Hause in das Gebet, das in der Kirche stellvertretend von der Pfarrerin gesprochen wurde, einzustimmen. Und einmal mehr haben wir die Erfahrung gemacht: Wir können unsere Ängste, Anliegen, Bitten mitteilen, mit jemandem teilen, mit Gott teilen.

„… so will ich dich erretten“, geht es im Psalmvers weiter. Manchmal haben wir den Eindruck, Gott höre unser Gebet, unseren Anruf nicht, denn wir sehen nicht, dass sich etwas ändert. Manchmal wird uns Geduld zugemutet. Und oft sind Gottes Wege anders als wir es uns gewünscht hätten. Dietrich Bonhoeffer meint dazu:

 

„Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“

 

Bonhoeffer legt sein Leben und alles in Gottes Hand und vertraut darauf,

 

„dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“

 

Das will ich auch in der aktuellen Situation nicht aus den Augen verlieren.

Das Ende des Verses fordert noch einmal heraus. Die Folge des Anrufs bei Gott, die Erfahrung seiner Hilfe, unserer Errettung ist der Lobpreis. Das vergessen wir leider viel zu schnell. Wenn die Not vorbei ist, gehen wir oft wie selbstverständlich zur Tagesordnung über.

Vergessen wir das Loben, Preisen und Danken nicht. Denken wir daran, wenn diese Pandemie dann doch einmal ein Ende hat, wenn wir von einer Krankheit genesen sind, wenn uns Kraft zugewachsen ist in schwerer Zeit.

Gerne will ich schon jetzt mit den Versen von Cyriacus Schneegaß (1598) singen:

 

„…du hast's in Händen,

kannst alles wenden,

wie nur heißen mag die Not.

Drum wir dich ehren,

dein Lob vermehren

mit hellem Schalle

freuen uns alle

zu dieser Stunde. Halleluja.

Wir jubilieren und triumphieren,

lieben und loben

dein Macht dort droben

mit Herz und Munde. Halleluja."

 

 

Ihre Pfarrerin Ulrike Walter