Pfarrerin Ulrike Walter

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Foto: Eric Grunwald

 

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. (106,1)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

diese Aufforderung lesen wir viele Male in den Psalmen. Er ist wie ein Refrain. Und wir haben wahrlich allen Grund, Gott zu danken und seine Güte zu preisen. Doch ich begegne vielen Menschen, denen das Danken schwerfällt, die stattdessen das Jammern und Klagen üben. Wer danken kann, so bin ich überzeugt, der entdeckt, dass alles, was ihm geschenkt wurde und wird, etwas Besonderes ist. Wer danken kann, dreht sich nicht nur um sich selbst, sondern weiß um ein Gegenüber. Wer danken kann, der spürt schließlich, dass Leben und Lebensfreude wachsen. Eine kleine Geschichte, die mir in die Hände gefallen ist, macht dies sehr schön deutlich:

 

Da gab es einmal einen Mann mit dem komischen Namen „Isjanichtsbesonderes“. Der hieß nicht wirklich so, aber weil er das immer sagte, nannten ihn bald alle: Herr „Isjanichtsbesonderes“. Dieser Mann nun hatte in seinem Garten einen Pflaumenbaum stehen, dessen Pflaumen schmeckten zuckersüß, waren fast so groß wie Mandarinen und waren herrlich anzusehen. Da sagte die Nachbarin zu ihm: „Oh, Sie haben aber eine tolle Pflaumenernte in diesem Jahr!“ Doch dieser Herr knurrte nur: „Is ja nichts Besonderes!“ Dieser Mann hatte einen Beruf, in dem er sehr viel Geld verdiente. Und weil er sich ganz viele tolle Dinge leisten konnte, sagte ein Bekannter: „Mensch, Du hast aber tolle Sachen!“ Doch er zuckte nur mit den Schultern und knurrte: „Is ja nichts Besonderes!“ Und dieser Mann hatte drei prächtige Kinder: Sabine, Jasmin und Michael. Alle drei waren gesund und gut in der Schule. Beim Elternsprechtag sagte die Lehrerin: „Auf Ihre Kinder können Sie aber stolz sein!“ Da antwortete er nur: „Is ja nichts Besonderes!“ Na, da versteht man schon, warum alle ihn den Herrn „Isjanichtsbesonderes“ nannten. Eines Tages traf dieser Mann Frau Dankeschön. Die beiden sahen sich an, und er sagte zu ihr: „Sie sehen aber schön und zufrieden aus!“ „Danke schön“, meinte da Frau Dankeschön, „leider kann ich das von Ihnen ja nicht sagen. Sie sehen so unzufrieden aus!“ „Is ja nichts Besonderes“, antwortete er. Am Abend erzählte Frau Dankeschön ihrem Mann und ihren Kindern von Herrn Isjanichtsbesonderes. „Mensch, bin ich erschrocken, als ich dem begegnete. Ganz unglücklich war der. Ich habe noch nie einen unzufriedeneren Menschen gesehen!“ Da sagte ihre Tochter Jasmin: „Is ja nichts Besonderes, dass der so unzufrieden aussieht.“ Und Michael, ihr Bruder, fügte hinzu: „Wenn man nämlich an allem auf der Welt nichts Besonderes findet, dann wird man unzufrieden und sauertöpfisch.“ „Woher habt ihr denn diese Weisheit?“, fragte der Vater. „Na, aus dem Kindergottesdienst“, antwortete Jasmin, und Michael ergänzte: „In der Bibel steht: Danket dem Herrn, denn das macht freundlich.“ „Nee- nee“, berichtigte Jasmin, „es steht da: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich.“ „Ach, ist doch egal“, unterbrach Mutter Dankeschön. „Bestimmt ist beides richtig. Denn wenn man für etwas Danke sagt, dann findet man, es sei etwas Besonderes, und über etwas Besonderes freut man sich, und darum macht Danken freundlich. Am besten ist es, wenn ihr beides mischt. Dann kann man sagen: Danket dem Herrn, denn er ist und macht freundlich.“

 

Es gibt viele Gelegenheiten zum Danke sagen. Bei den Erntedankgottesdiensten, die wir in diesem Jahr bereits am letzten Wochenende im September feiern (29.09.), wenn wir für die Ernte danken und für unseren Wohlstand. In Epfenbach wollen wir in diesem Gottesdienst langjährigen Sängerinnen und Sängern für Ihre Treue danken. Ich danke Gott für die Freiheit, Gottesdienste feiern zu können; für die Menschen, die sich nach wie vor zu den Gemeinden halten; für die Mitarbeitenden, die sich einsetzen und ihre Zeit einbringen.

 

Ich danke Gott, dass er mich in diesem Jahr durch schwere Zeiten getragen hat und mir Trost hat zukommen lassen. Ich danke für die Menschen, mit denen ich ein Stück gehen darf und gehen durfte. Von manchen mussten wir Abschied nehmen. An sie wollen wir am Ewigkeitssonntag denken und ihre Namen vor Gott nennen – und Gott danken für die gemeinsame Zeit.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Herbst viele Früchte der Dankbarkeit pflücken lernen.

 

Ihre

Ulrike Walter, Pfarrerin