Pfarrerin Ulrike Walter

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Taufstein in der Evangelischen Kirche in Nassig (Foto: Ulrike Walter)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

es ist Sommer geworden. Es zieht uns hinaus und viele sind unterwegs. Ein Anziehungspunkt unserer Städte und Dörfer sind immer wieder die Kirchen. Zum Teil sind sie jahrhundertealt. Was gibt es da nicht alles zu entdecken und zu bewundern. Die verschiedenen Baustile und Epochen, kulturhistorische Schätze, Bilder, Statuen und Motive nehmen uns mit hinein in die Frömmigkeit unserer Vorfahren.

Mich erfasst immer wieder Ehrfurcht beim Betreten solcher Kirchen. Ich denke daran, wie viele Menschen hier schon gebetet haben, Gott ihre Anliegen entgegengehalten. Was könnte der Taufstein erzählen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die hier getauft worden sind? Paare standen vor dem Altar und haben sich die Treue versprochen. Von Menschen wurde Abschied genommen. Andere wurden getröstet und gestärkt, es gab Vergebung und Versöhnung. Das Abendmahl wurde gefeiert. Pfarrpersonen kamen und verließen die Gemeinde wieder.

Ich denke an Gottesdienste, die hier gefeiert wurden und werden und ein Lied von Benjamin Schmolck (EG 166, von 1734) kommt mir in den Sinn. Ich stelle mir dabei eine vollbesetzte Kirche vor und sehe den Einzug etwa der Konfirmandinnen und Konfirmanden vor mir.

Tut mir auf die schöne Pforte,
führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte
meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht,
hier ist lauter Trost und Licht.

Benjamin Schmolck spricht von der Kirche als „Gottes Haus“. Gott ist nicht auf ein Haus, einen Ort angewiesen– wir können ihm überall begegnen. Wir Menschen jedoch brauchen Orte, Orte, an denen wir uns erinnern: Hier ist Gottes Angesicht! Vor uns sind Menschen hier an diesem Ort Gott begegnet, haben Ihn erfahren, wurden getröstet und erbaut. Von diesem Ort geht Segen aus.

Bereits auf den ersten Seiten der Bibel wird von einem Mann berichtet, der einen Ort erlebt, an dem er spürt: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. (1. Mose 28.17)

Es ist Jakob. Er ist unterwegs. Genaugenommen ist er auf der Flucht. Er hat seinen Vater hinterlistig belogen, seinen Bruder ums Erbe betrogen.

Sein Nachtlager wird zum Ort der Begegnung Gottes. Er sieht eine Leiter in den Himmel und die Engel gehen daran auf und ab. Und er hört die Stimme Gottes, der ihm sein Mitgehen zusagt: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst (1. Mose 28,15a). Gott verspricht gleichzeitig Jakob das Land, auf dem er geruht hat. Und Jakob richtet den ersten Stein auf als Zeichen und Erinnerung an diesen Ort der Gottesbegegnung.

Tut mir auf die schöne Pforte… Ich lade Sie ein, hineinzugehen, wo Kirchentüren offen sind – zu den Gottesdiensten oder einfach, um den Alltag zu unterbrechen, oder wenn Sie die Stille suchen.

Mit der 6. Strophe seines Liedes gibt uns Benjamin Schmolck ein Gebet mit:

Ich bin, Herr, zu dir gekommen,
komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen,
da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein,
lass es deinen Tempel sein.

 

Seien Sie gesegnet und behütet auf all Ihren Wegen.

 

Das wünscht Ihnen Ihre

Ulrike Walter, Pfarrerin