Pfarrerin Ulrike Walter

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Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir's wohlgefallen.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie gerne singe ich zum Weihnachtsfest das Lied, dessen ersten Vers ich über dieses Wort gestellt habe. Zu den Weihnachtsschlagern, die auf den Weihnachtsmärkten oder in den Kaufhäusern rauf und runter laufen, gehört es eher nicht.

Paul Gerhardt hat dieses Lied vor über 360 Jahren geschrieben, mitten im Dreißigjährigen Krieg, der so viel Not und Elend über die Menschen in Europa gebracht hat. Auch Paul Gerhardt, der damals Pfarrer in Berlin war, hat viel Schlimmes erlebt. Seine Frau und vier von seinen fünf Kindern sind innerhalb kurzer Zeit gestorben. Nur sein fünfter Sohn blieb am Leben. Ich verstehe, dass Paul Gerhardts Lieder alle einen nachdenklichen Ton haben. Auch das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“. Es erzählt von einem Menschen, der Leid und Schmerz gesehen hat. Aber an der Krippe des neugeborenen Jesuskindes findet er Trost.

„Ich lag in tiefster Todesnacht“, heißt es im Lied, „du warest meine Sonne. Die Sonne, die mir zugebracht Licht Leben Freud und Wonne.“

Im zweiten Jahr der Pandemie erleben auch wir manche Not, manches Elend. Immer noch gilt Distanz, Abstand halten. Ob und wie wir an Weihnachten an den Krippen in den Kirchen, an den Krippen in unseren Häusern zusammenkommen und Weihnachten feiern können, das kann ich, da ich diese Zeilen schreibe, nicht abschätzen. Vermutlich stehen an Heiligabend nur wenige Menschen vor dieser Krippe, die auf dem Titelbild abgedruckt ist. Denn in Spechbach planen wir den Gottesdienst mit Krippenspiel im Freien zu feiern. Für die Christmette, die in der Kirche sein soll, wird eine Anmeldung notwendig sein, wie auch in Epfenbach zum Gottesdienst mit Krippenspiel.

Weihnachten ist ein Fest, an der die Familie zusammenkommt. Weihnachten ist aber auch das Fest, zu dem immer noch für viele Menschen der Gottesdienst dazugehört. Da wird eine Sehnsucht in uns angesprochen, denn wir hören die Botschaft von der Liebe Gottes, die in diesem Kind in der Krippe Hand und Fuß bekommt, Mensch wird. Menschgewordene Liebe Gottes mitten unter uns. Der Ruf der Engel:

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Da ist die Sehnsucht nach „Frieden auf Erden" und wir suchen, wenigstens für wenige Stunden.

Das Lied von Paul Gerhardt kommt mir ganz nahe, da es vom Ich singt. Es erinnert mich damit daran, dass Weihnachten viel mit mir persönlich zu tun hat. Es ist mehr als ein öffentlicher Feiertag oder ein schönes Familienfest. Es geht um mich, um die Fragen: Was bedeutet mir dieses Kind in der Krippe? Was bedeutet es Ihnen?

Paul Gerhardt hat in diesem Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, mehr gesehen als ein neugeborenes Baby. Er bekennt:

„Mitten in der Todesnacht warst du „meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.“

Dieses Kind holt ihn heraus aus dem Dunkel der Tränen hinein ins Licht des Lebens. Hier findet er Trost, Zuspruch und Vergebung:

„Wann oft mein Herz im Leibe weint und keinen Trost kann finden, rufst du mir zu: ‚Ich bin dein Freund, ein Tilger deiner Sünden‘.“


Ich muss zugeben: Ich spüre nicht immer etwas von Gott. Bei mir gibt es Tage, da ist mir Gott ganz schön fern, irgendwo weit weg im Himmel. Dann sehe ich nur meine eigenen Sorgen und kämpfe mich durch meinen Alltag. Dann hilft mir das Lied von Paul Gerhardt dabei, dass ich mich wieder erinnere: Gott ist gar nicht fern. Er lag als Kind in einer Krippe, ein Mensch unter Menschen. Gott ist mir persönlich ganz nah.

Gerne will ich dann auch den letzten Vers singen und dem Kind diesen Wunsch hinlegen:

So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.“

Dann trete ich zur Krippe, in der Kirche, zu Hause, in meinem Herzen und weiß: Gott ist bei mir!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest!

 

Ihre

Pfarrerin Ulrike Walter