Pfarrerin Ulrike Walter

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Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Spuren triefen von Segen. Psalm 65,12

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele der Felder rund um unsere Dörfer sind abgeerntet, auch die Strohballen, die vorne auf dem Titelbild zu sehen sind, sind inzwischen eingelagert und die Felder werden zum Teil schon für das nächste Jahr vorbereitet. Trotz enormer Hitze und langer Trockenheit waren unsere Felder und Gärten zum großen Teil ertragreich und wir wurden erneut gesegnet mit den Gaben der Natur.

König David besingt in seinem „Danklied für geistlichen und leiblichen Segen“, wie die Überschrift über Psalm 65 in der Lutherbibel von 1984 lautet, wie das „Getreide gut geraten“ ist, wie „Gottes Brünnlein“ Wasser bereitgestellt hat, wie die Schafe prächtig gediehen sind. All dies sind für David Zeichen der Güte Gottes und Spuren des Segens. Er beschreibt den Empfang des Guten, der Güter als Krönung des Jahres, als Höhepunkt und wirkungsvollen Abschluss.

Im Hintergrund seines Liedes schwingt noch eine weitere Dimension mit, die „geistliche“. Der Strom auf dürrem Land ist wie die Güte Gottes, die manch Wüstenzeit beendet. Der „Anger voller Schafe“ ist wie die Freundlichkeit Gottes, die die Fülle gibt. Die triefenden Auen in der Steppe sind wie die Freude, die das Leben neu erblühen lässt. Die Sonne ist die Liebe, die unser Wachsen lenkt. Christoph Zehender hat Psalm 65 als neueres Lied vertont. Der Refrain nimmt Vers 12 auf und setzt fort „hast unser Wachsen mit Liebe gelenkt“.
Du gabst uns das, was wir benötigt haben.
Du hast uns wirklich reich beschenkt.

(Christoph Zehner 1997; aus: “Feiern und Loben – Die Gemeindelieder”)

 

Im Lied wird beschrieben, wie gut Gott uns tut in mancher Traurigkeit und Kälte, wie Gott uns im Sturm des Lebens die Hand reicht und festhält, wie er uns immer wieder frische Kraft schenkt in leblosen und schlaffen Zeiten. „Es war ein gutes Jahr,
denn du warst uns bei jedem Wetter treu.“ Mit dieser dankbaren Erkenntnis endet das Lied.

Wenn ich so Rückblick halte auf das Kirchenjahr, dessen Ende wir entgegengehen, erfüllt auch mich Dankbarkeit über Gottes Güte. Wie schön war es, die Gottesdienste wieder in gewohnter Form mit fröhlichen und besinnlichen, alten und neuen Liedern, mit Abendmahl und Taufen, mit Jubiläen und zu Festlichkeiten feiern zu können. Wie bereichernd ist es, sich wieder begegnen zu können. Manchen Bericht davon finden Sie hier im Gemeindebrief.

Ich sehe aber auch die Herausforderungen, die das Wachsen hemmen und bremsen.

Viele Menschen wenden der Kirche und auch Gott den Rücken zu. Wir werden uns von manch Liebgewonnen trennen müssen, seien es Gebäude oder Aufgaben. Es wird Änderungen geben und manche Entwicklungen werden mit Schmerz oder Traurigkeit einhergehen. Manches nimmt uns den Atem, „was sicher schien, flog weg“, singt Christoph Zehender, „vergeblich suchten wir nach festem Stand“. Manchmal erleben wir Stillstand und kommen nicht vom Fleck. An anderen Tagen sind wir mutlos und nahe daran aufzugeben.

Ich will vertrauen, dass Gott bei uns ist, „durch Sonne, Wind und Regen“, dass Er es ist, der Wachsen und Reifen schenkt und dass er uns bei jedem Wetter treu ist, im eigentlichen wie im übertragenen Sinn.

 

Ich wünsche Ihnen den Segen der triefenden Spuren Gottes!

Ihre

Ulrike Walter, Pfarrerin