Pfarrerin Ulrike Walter

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Liebe Leserin, lieber Leser,

 

der Fisch ist ein frühes Erkennungszeichen der Christen. Das griechische Wort für Fisch, ἰχθύς – ichthys, steht bei diesem „Geheimzeichen“ als Abkürzung für ein Bekenntnis. Die einzelnen Buchstaben des griechischen Wortes stehen für folgende Worte: I steht für Iesous (Jesus), CH für Christos (Christus); TH steht für Theou (übersetzt „Gott“); Y für Yios bedeutet „Sohn“ und S für Soter, „Retter“. Das Bekenntnis lautet also: Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter. Die Linien konnten leicht in den Sand gemalt oder einen Stein geritzt werden. So konnten Christen einander finden und erkennen. Auch heute ist der Fischaufkleber auf manchem Auto zu finden.

Den Fisch auf der Titelseite haben Kinder bei unserem Bibelentdeckertag gestaltet (einen Bericht dazu finden Sie in diesem Gemeindebrief). In seinem Lied – Sie finden es unter der Nr. 511 in unserem Gesangbuch – nimmt Wilhelm Hey das Bild vom Fischlein in der hellen Wasserflut auf. Wie beruhigend ist doch der Gedanke, dass Gott selbst das kleine Fischlein gewollt hat. Hätte er es sonst erschaffen? Wie gut, dass Gott alle Lebewesen ins Leben gerufen hat und jedes Kind kennt, dass er die Zahl der Sterne und der Wolken weiß, wie es die Worte des Liedes beschreiben.

 

Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut,
wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
dass sie all ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind…

 

Fünf Brote und zwei Fische, so berichten die Evangelisten (Matthäus 14, Markus 6, Lukas 9, Johannes 6), standen zur Verfügung, als nach einer Predigt von Jesus fünftausend Menschen nach Essen verlangten. Nach einem Dankgebet teilt Jesus die Gaben aus – und alle werden satt. Keiner muss hungrig nach Hause gehen. Sie sind im doppelten Sinn gestärkt. So stehen die fünf Brote und zwei Fische für das „Sattwerden“ in doppeltem Sinne. Mit den Gebetsworten des Liedes von Benjamin Schmolck will ich bitten (EG 166,6):

 

Rede, Herr, so will ich hören,
und dein Wille werd erfüllt;
nichts lass meine Andacht stören,
wenn der Brunn des Lebens quillt;
speise mich mit Himmelsbrot,
tröste mich in aller Not.

 

Nicht zuletzt weist der Fisch auf die Nachfolge hin. Jesus ruft Menschen in seine Nähe. Sie werden „Jünger“ genannt. Sie erhalten den Auftrag, die Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist, zu den Menschen zu bringen. Jesus spielt auf ihren bisherigen Beruf als Fischer mit seinen Worten an, die wir in den Evangelien lesen (etwa im Markusevangelium, Kapitel 1,17.18.):

 

Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Und sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.

 

Nun geht es nicht mehr um die Fische im See Genezareth. Menschen sollen für die Sache Jesu begeistert werden. Das Wort „Menschenfischer“ hört sich in unseren Ohren nicht unbedingt freundlich an, nach „einfangen“ und „gefügig machen“. Jesus selbst zeigt die Richtung. Er übt keine Gewalt aus – er nimmt die Gewalt der anderen auf sich. Er zwingt niemandem etwas auf. Jesus schaut auch die mit den Augen der Liebe an, die ihm Übles wollen.

Bei einem Spaziergang am See erahne ich die Fische dort, wo sich das Wasser bewegt und Wellen erzeugt werden. Manfred Siebald singt in seinem Lied (EG 648, „Ins Wasser fällt ein Stein“) von Gottes großer Liebe, die Kreise zieht und weiterwirkt.

 

Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt,

da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsre Welt.

 

In den Herbstmonaten erinnern wir an Menschen, die Kreise gezogen haben, Menschen wie Martin Luther oder auch St. Martin. Und wir denken an die Menschen, die in unserem ganz persönlichen Leben Einfluss genommen haben, wenn wir am Ewigkeitssonntag ihren Namen nennen und eine Kerze entzünden.

 

In der Hoffnung, all diese Gottesdienste wie geplant miteinander feiern zu können grüßt herzlich

Ihre Pfarrerin Ulrike Walter