Pfarrerin Ulrike Walter

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Da harrte er [Noah] noch weitere sieben Tage und ließ abermals die Taube fliegen aus der Arche. Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden. (Gen. 8,10.11.)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kinder unseres Kindergartens haben die Taube gestaltet, die Sie hier an der Seite sehen. Sie scheint im Landeanflug zu sein und hält einen Zweig mit Blättern im Schnabel. Nach der biblischen Überlieferung lässt Noah nach Wochen des Regens und der Überflutung der Erde, nach Monaten, die die Familie in Quarantäne in der Arche verbringen muss, mehrmals eine Taube ausfliegen. Als die Taube endlich mit einem frischen Ölblatt zurückkommt, sieht Noah dies als Zeichen, dass die Erde ihm und seiner Familie wieder als Lebensraum zur Verfügung steht und dass die Zeit der Einschränkungen bald ein Ende haben wird. Als dann endlich der Moment gekommen ist und die Familie die Arche verlassen kann, sendet Gott ein weiteres Zeichen: den Regenbogen mit all seinen Farben.

Wie Noah würden wir am liebsten Tauben fliegen lassen, die uns das Ende der Pandemie anzeigen und uns wissen lassen, dass wir uns endlich wieder frei auf der Erde bewegen können. Noch ist unsere Geduld gefordert, beobachten wir Inzidenzwerte, Zahlen der Verstorbenen, der Geimpften und warten – auf eine erlösende Botschaft, wie die Taube sie damals Noah gebracht hat: Die Zeit der Quarantäne ist vorbei! Öffnet die Tür! Geht hinaus und beginnt neu! Noch ist es für uns nicht soweit. Noch sind wir umgeben von der Pandemie, noch ist uns Warten auferlegt. Wie damals Noah und seiner Familie in der Arche. Doch eines Tages ging die Tür der Arche auf und sie konnten wieder hinausgehen.

Ich schaue das Titelbild an und denke an den anderen Bericht der Bibel, in dem die Taube in Verbindung mit einer Nachricht Gottes erscheint. Es ist bei der Taufe Jesu am Jordan. Bei den Evangelisten lesen wir (Markus 1,10.11.):

Und alsbald, als er [Jesus] aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Gott bestätigt die Sohnschaft des Mannes, der aus dem Wasser steigt, geboren in einem Stall in Bethlehem, aufgewachsen in Nazareth, getauft im Jordan. Der „Geist wie eine Taube“ und die Worte Gottes legitimieren Jesus als Gottes Sohn.

Jahre später, Jesus ist nach Tod und Auferstehung in den Himmel zu seinem Vater zurückgekehrt, dürfen die Freundinnen und Freunde von Jesus erleben, wie auch für sie der Himmel aufgeht und der Geist Gottes über sie kommt. Die Bibel berichtet: „Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apostelgeschichte 2,3.4.)

Der Geist erfüllt die Jüngerinnen und Jünger beim ersten Pfingstfest und seitdem in allen Generationen mit Mut und Kraft. Der Geist Gottes schenkt Noah Geduld und die Gewissheit, dass Gott der Sintflut ein Ende setzen wird. Der Geist hilft auch uns, festzuhalten am Glauben und an der Hoffnung. „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5)

Ich wünsche Ihnen und mir, dass Gottes Geist uns stark macht, auch durch die Pandemie hindurch an IHM festzuhalten und nicht zu verzagen. Schauen wir voller Hoffnung dem Tag entgegen, da sich die Türen öffnen und wir hinausgehen können und neu anfangen.

 

Ihre

Ulrike Walter