Pfarrerin Ulrike Walter

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In einer Geschichte erzählt Lene Mayer-Skumanz von Jakob, der mit seiner Mutter die Kerzen am Adventskranz anzündet. Auf einmal fragt Jakob seine Mutter, warum man so lange auf Weihnachten warten müsse. Die Mutter gibt ihm zu verstehen, dass man auf etwas Schönes meistens lange warten muss. Auch damals hätten die Menschen lange auf das Jesuskind gewartet. Auch auf ihn, Jakob, habe die Mutter lange warten müssen. Am Ende der Wartezeit steht oft die Freude, eine große Freude. So sei es auch bei ihm, Jakob, gewesen. Am Ende merkt Jakob an: „Miteinander warten ist gar nicht so arg.“

 

 

Herrnhuter Stern und Adventskranz in der ev. Kirche Spechbach               Foto: Ulrike Walter

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

warten fällt oft schwer. Sei es, dass wir auf einen Bus warten müssen, an der Kasse oder beim Arzt. Beim Warten auf ein Fest, ein besonderes Ereignis, füllen wir die Wartezeit gerne mit Aktivitäten. Etwa wenn wir eine Hochzeit planen oder einen runden Geburtstag.

Advent ist eine Zeit des Wartens. Auch diese Wartezeit ist für die meisten Menschen gefüllt mit Aktivitäten wie Geschenke einkaufen, Plätzchen backen, Weihnachtsmärkte und Adventsfeiern besuchen. Am Ende dieser Wochen steht das Weihnachtsfest, an dem endlich die Geschenke ausgepackt werden dürfen, was nicht nur für viele Kinder im Vordergrund des Festes steht. Andere freuen sich auf ein Festessen im Kreise der Familie und ein paar ruhige Tage nach dem ganzen Trubel.

Warten fällt oft schwer. So ging es den Kindern im Waisenhaus von Johann Hinrich Wichern in Hamburg. Während der Adventszeit fragten sie immer wieder, wann denn endlich Weihnachten sei. Und so baute Wichern 1839 aus einem alten Wagenrad den ersten Adventskranz mit 24 Kerzen, 20 kleine rote für die Wochentage und 4 großen weiße Kerzen für die Sonntage.

Advent ist eine Zeit des Wartens. Viele Jahrhunderte war die Wartezeit auf Weihnachten wie auch die Vorbereitungszeit auf das Osterfest eine Fastenzeit. Dazu gehörte u.a. der Verzicht auf Fleisch und Alkohol, aber auch auf Tanz und Festlichkeiten. Das können wir uns heute vor allem für die Adventszeit mit ihren Schleckereien und Feiern kaum noch vorstellen.

Bevor Jesus geboren wurde, haben die Menschen auf den „Heilsbringer“, auf den „Messias“ gewartet. „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Matthäus 11,3), wird er gefragt. Und er antwortet: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“

Auf was warten wir in dieser Adventszeit? Dass die turbulenten Tage der Vorbereitung bald vorbei sind? Auf ein paar freie Tage? Auf die Geschenke?

Oder lassen wir uns in dieser Adventszeit neu anstecken von der Freude über das Kommen des Gottessohnes in unsere Welt, „Trost der Welt“, „der unser Bruder worden ist“ (EG 6).

Miteinander warten ist gar nicht so arg!“ stellt der kleine Jakob fest. Ich lade Sie ein, „miteinander“ zu warten, bei den Adventsgottesdiensten, bei den Adventsandachten am Mittwochabend, bei einem gemeinsamen Ritual in der Familie am Adventskranz mit Weihnachtsliedern, beim gemeinsamen Plätzchenbacken…

Ich lade Sie ein, mit einzustimmen in den Ruf: „Herbei, o ihr Gläubigen, fröhlich triumphieret, o kommet, o kommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten den König.“ (EG 45)

 

Ihre

Pfarrerin Ulrike Walter