Pfarrerin Ulrike Walter

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Liebe Leserin, lieber Leser,

 

in einer spektakulären öffentlichen Aktion ist Jesus hingerichtet worden. Jeder in und um Jerusalem wusste von seinem schmachvollen Ende. Wie mit einem Paukenschlag war sein Leben, das so viel bewirkt und verändert hatte, beendet worden.

Auf ganz andere Weise als die Kunde von seinem Tod verbreitete sich die Botschaft von seiner Auferstehung: Maria Magdalena und die andere Maria waren unterwegs zum Grab. Bei Tagesanbruch haben sie sich auf den Weg gemacht, um Jesus den letzten Dienst zu erweisen. In ihnen steckte noch die Fassungslosigkeit, die allmählich in Leere und Trauer übergeht. Es kommt ihnen alles so sinnlos vor. Mit diesem Jesus, in den sie so große Hoffnungen gesetzt hatten, ist es zu Ende. Dunkel ist die Welt für sie geworden, dunkel wie die Nacht.

Doch ganz plötzlich werden sie aufgeschreckt. Ein Bote begegnet ihnen und verkündet: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden! Geht und sagt es seinen Jüngern. In Galiläa werdet ihr ihn sehen.“

„Fürchtet euch nicht!“, hatte der Engel gesagt. Aber die Frauen sind so aufgeregt, dass sie Furcht und Freude nicht unterscheiden können. Sie sind die Ersten, die es erfahren: Jesus Christus ist auferstanden!

Von hier aus verbreitet sich die Botschaft. Aber selbst unter denen, die Jesus begegnen und ihn sehen, können einige ihren Zweifel nicht überwinden. Es ist so unvorstellbar, was das geschehen sein soll, dass sie es nicht glauben können.

Wenn wir heute Ostern feiern, so ist das ein Fest der Freude und des Dankes für dieses Wunder, in dem Gott die Tür zum Himmel weit aufstößt. Mit Ostern hat sich das Verhältnis zwischen Gott und uns etwas Entscheidendes verändert: Gott geht auf uns zu und schenkt uns bedingungslos seine Liebe, die sich als stärker erweist als der Tod.

Wenn auch vor unseren Augen alles beim Alten bleibt – der Tod gehört ja weiterhin zu unserem Leben dazu – so glauben wir doch, dass der Tod nicht das letzte Wort über uns hat.

Wenn wir an Ostern die Osterbotschaft hören, geht es uns vielleicht nicht anders als den ersten Zeugen der Auferstehung damals: Neben der Freude gibt es auch Furcht und Zweifel. Das Leben steht unter einer sonderbaren Zwiespältigkeit: Schuld und Leiden gehören immer noch dazu, aber wir sind als Glaubende von Gott angenommen. Er lässt uns nicht fallen und verlässt uns nicht. Er geht mit uns – auch durch das Leiden und durch den Tod. Diese Botschaft ist heute immer noch so unbegreiflich wie damals, und sie erschließt sich auch heute nur dem, der sich auf das Wagnis des Glaubens einlässt.

Jesus, der Auferstandene, schickt seine Jünger aus Jerusalem, dem Ort des Festes, zurück nach Galiläa in ihren Alltag. Dieser Alltag bringt ihnen wieder die alten Sorgen und Probleme, die ungelösten Aufgaben und Fragen. Und doch steht alles nun in einem anderen Licht. Die Jünger erhalten den Auftrag, die Botschaft von der Auferstehung und dem Leben in die Welt zu tragen und die Menschen zum Glauben einzuladen.

So werden auch wir ermutigt, uns neu auf das Wagnis des Glaubens einzulassen und den Weg Jesu mitzugehen. Am Gründonnerstag erinnern wir uns beim Tischabendmahl in den Gottesdiensten in den Gemeindehäusern an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Am Karfreitag wollen wir in den Gottesdiensten unter dem Kreuz Jesu „ausharren“. In der Osternacht treffen wir uns noch in der Dunkelheit am Osterfeuer, erleben den beginnenden Morgen, hören das Osterevangelium und rufen uns die Osterbotschaft zu: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Miteinander feiern wir anschließend das neue Leben, wenn wir uns zum Osterfrühstück treffen. Mit den Festgottesdiensten nehmen wir den Jubel der Schöpfung über die frohe Botschaft von der Auferstehung auf. 

Möge die befreiende Botschaft dieses Festes nicht verhallen, sondern in unseren Alltag hineinklingen und unsere Furcht in Freude verwandeln.

In dieser Hoffnung wünsche ich Ihnen eine erfahrungsreiche und stärkende, eine bewegende und segensreiche Passions- und Osterzeit.

 

Ihre

Pfarrerin Ulrike Walter