Pfarrerin Ulrike Walter

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„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das ist der Beginn eines meiner Lieblingslieder in diesen Sommertagen.

Gerne singe ich es in den Gottesdiensten oder zu Hause.

Mit Paul Gerhard mache ich mich auf, gehe hinaus und entdecke ich die Schönheit der Gärten, das Grün der Bäume, die Farben der Blumen. Ich beobachte die Schwalben beim Flug, schaue den Bienen nach und freue mich an den Weizenfeldern, die sich im Wind wiegen. Ich höre die Lerche jubilieren und die Nachtigall singen.

Es ist ein idyllisches Bild, das Paul Gerhard hier vor Augen malt. Und es drängt sich der Gedanke auf, dass damals, als Paul Gerhard diese Zeilen verfasst hat, die Welt noch in Ordnung, die Natur heil und im Gleichgewicht war.

Heute sieht es ganz anders aus. Wir hören vom Insekten- und Bienensterben, von schmelzenden Gletschern und riesigen Plastikteppichen in den Ozeanen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Viel zu lange sind wir viel zu leichtsinnig mit unserer Umwelt und unserem Planeten Erde umgegangen. Es ist allerhöchste Zeit, wieder den Auftrag in den Blick zu nehmen, der auf den ersten Seiten der Bibel steht: Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (Gen 2,15)
„Gott hat uns nicht alleine geschaffen, sondern uns mitten zwischen unsere Mitgeschöpfe gesetzt, umgeben mit allem was wir zum Leben brauchen. Gott hat uns Verantwortung übertragen, der wir nur durch nachhaltiges Denken und Wirtschaften gerecht werden. Wir nehmen den Schöpfungsauftrag, die Erde zu bebauen und sie zu bewahren, als Ganzes an und verpflichten uns, durch bewusstes und verantwortungsvolles Handeln, diesem Auftrag entsprechend zu leben. Wir verstehen die Schöpfungsverantwortung als eine Kernaufgabe unserer Gemeinde.“

So haben wir es für die Kirchengemeinde Spechbach formuliert und als eine der Leitlinien in unser Umweltprogramm mit aufgenommen. Wir freuen uns über Menschen, denen diese unsere Welt genauso am Herzen liegt, die mithelfen wollen, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder noch gut hier auf dieser Erde leben können.

„Geh aus, mein Herz und suche Freud…“ Als Paul Gerhard vor knapp 400 Jahren diese wunderbaren Worte aufgeschrieben hat, waren ihm übrigens ebenfalls schlimme Bilder vor Augen: Durch die Kampfhandlungen des 30jährigen Krieges waren viele Orte zerstört, die Felder verwüstet, unzählige Menschen bei Kriegshandlungen und deren Folgen wie Hunger und Pest gestorben. Auch Paul Gerhard selbst war nicht davon verschont. Auch hier im Kraichgau waren manche Dörfer fast ausgestorben. Von Epfenbach etwa wird berichtet, dass am Ende des Krieges gerade mal 15 Menschen übrig geblieben waren.

Diesem schlimmen Szenario zum Trotz hat Paul Gerhard wunderbare Worte gefunden, die uns heute noch erfreuen und unseren Blick weiten.

Lassen Sie uns in diesen Sommertagen die Schönheit der Natur bewundern, die immer noch vorhanden ist, feiern wir gerne Gottesdienste im Freien unter dem Himmelszelt. Ich lade Sie am 10. Juni an der katholischen Kirche zum ökumenischen Gottesdienst im Grünen und am 15. Juli zum Gottesdienst im Pfarrgarten ein. Singen wir den Szenarien über die Zerstörung der Natur zum Trotz – und gehen wir hin und machen uns auf, diese unsere Welt in ihrer Schönheit und Vielfalt zu bewahren.

 

Ihre

Pfarrerin Ulrike Walter