Aufnahme: Marika Gutschik-Schilling

Festgottesdienst mit Ehrungen zum Sonntag Kantate in Spechbach

 

„Kommet herzu und lasst uns dem HERRN frohlocken“, stimmten Günter Schauer und Sibylle Ziegler im Duett die Gemeinde auf einen musikalischen Festgottesdienst am Sonntag Kantate ein. Und auch das erste Lied „Kommt herbei, singt dem Herrn“ und Psalm 95 hatte Pfarrerin Ulrike Walter bewusst für diesen Tag ausgewählt. Der Kirchenchor, 21 Männer und Frauen, sang stimmgewaltig und ließ u.a. den Ambrosianischen Lobgesang erklingen. An der Orgel begleitete Annette Lumpp die Lieder. Nicht ausschließlich, denn es war Dr. Lars Castellucci eine große Freude, die Einladung von Chorsänger Helmut Ernst anzunehmen und den Gottesdienst mitzugestalten. Seit frühester Jugend spielt der Bundestagsabgeordnete Castellucci Orgel und war selbst einmal Chorleiter. Er begleitete Annette Lumpp bei dem Song "Somewhere over the rainbow".

   Tatjana Fietz berührte mit ihrer wunderbaren Stimme die Zuhörer, als sie solo „Was wirklich bleibt“ sang. Dass der Kantatesonntag in Spechbach auch in anderer Hinsicht bedeutend wurde, hat man wiederum Helmut Ernst zu verdanken. Auf seinen Vorschlag hin findet nach dem Gottesdienst ein gemeinsames Mittagessen der Kirchenchormitglieder im Martin-Luther-Haus statt.                     

   „Sie sind eine Bereicherung für sich und andere, weil Sie dem Chor die Treue halten, zu den Proben kommen, bei schönen aber auch bei traurigen Anlässen mitwirken“, wandte sich Pfarrerin Walter lobend an den Chor und an die zu Ehrenden.

   Lore Streib gehört seit 40 Jahren aktiv dem evangelischen Kirchenchor an. Ursprünglich hat sie im Sopran begonnen und erst später die Stimme gewechselt. Einige Zeit hat sie das Amt der Schriftführerin ausgeführt. Seit 50 Jahren hält Helmut Ernst dem Chor mit seiner Tenorstimme die Treue. Von 2002 bis 2014 war er Chorobmann und ist bis heute ein engagiertes Chormitglied geblieben, wie auch Marianne Filsinger, die vor 65 Jahren im Chor zu singen begonnen hat. Viele private Termine hat sie dem Chor untergeordnet, stets verlässlich die Noten ausgelegt und Stühle für die Singstunde aufgestellt. Für alle Jubilare gab es Urkunden von den Verbänden und Blumen.    

 Helmut Ernst und Ehrenobmann Günter Schauer nahmen die Ehrung für Sibylle Ziegler für 40 Jahre Chorleitung zum Anlass, sich an den Beginn ihres Wirkens mit dem Orgeldienst und später als Chorleiterin zu erinnern und ihre ausgesprochene harmonische Chorführung zu loben. Für zahlreiche Teilnahmen auf Landeskirchengesangstagen und Konzerten hat sie den Chor stets rechtzeitig auf Temperatur gebracht.

Pfarrerin Walter dankte Sibylle Ziegler und überreichte ihr ein Geschenk der Kirchengemeinde. Außerdem darf sie sich, als Geschenk des Kirchenchores, auf Luthers Spuren begeben und ein Wochenende in Eisenach verbringen. Ein kleines Dankeschön erhielt auch Kirsten Fietz für ihr Engagement im Kirchenchor in Form einer silbernen Luther-Gedenkmünze.

 

Text: Pfarrerin Ulrike Walter

Aufnahme: Privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auftaktveranstaltung zum Reformationsjubiläum

 

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, welche Martin Luther der Überlieferung nach an die Schlosskirche in Wittenberg schlug. Dieses Jubiläum wird daher an diesem Tag als einmaliger Feiertag begangen. Lieder und Texte zum Jubiläumsjahr waren in der evangelischen Kirche Spechbach zum Auftakt am vergangenen Sonntag zu hören. Daran wirkten der Kirchenchor unter der Leitung von Sybille Ziegler, Annette Lumpp an der Orgel und Tatjana Fietz als Solosängerin mit und auch die Besucher wurden in die Gesänge teilweise mit einbezogen. Da die Veranstaltung noch im Weihnachtskreis stattfand stand Luthers Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“, gesungen von der Gemeinde, zur Eröffnung des Abends an. Luthers Morgensegen sprach Pfarrerin Ulrike Walter. „Nun freut euch lieben Christen gmein“ war das erste vom Chor vorgetragene Lied. Pfarrerin Walter führte aus, dass für Martin Luther jeder Bereich des Lebens Einfluss auf den Glauben hatte. Unter den Stichworten „Musik“, „Freiheit“, „Wort Gottes“, „Predigt“ und „Ehe“ begab man sich auf Spurensuche bei Martin Luther. Den Auftakt machte die Musik, wozu ein Chormitglied ein Gedicht verlas. Luther liebte die Musik aus fünf Gründen: da sie ein Geschenk Gottes ist, fröhliche Herzen macht, den Teufel verjagt, unschuldige Freude bereitet und in Friedenszeit herrscht. Das Kirchenlied als gottesdienstliches Lied der Gemeinde ist sozusagen erst von Martin Luther begründet worden. Der Gemeindegesang trat liturgisch vollberechtigt neben die Predigt und Gebete; bis heute ist das geistliche Singen ein unverzichtbares Element des evangelischen Gottesdienstes. Im heutigen evangelischen Gesangbuch finden sich 33 Lieder und Gesänge, bei denen entweder Texte oder Melodie oder gar beides von Martin Luther stammen. Ein weiterer zentraler Begriff der Reformation war die Freiheit – allerdings nicht die im heutigen politischen Sinne. Es ging Luther um an Gott zurückgebundene Freiheit im theologischen Sinne, als Freiheit vom religiösen Leistungszwang, sich sein Heil bei Gott selbst verdienen zu müssen. Da, wo das Wort Gottes bezeugt und bewahrt wird, da ist Kirche. Die Kirche gründet sich auf das Wort Gottes und lebt aus ihm. Die Predigt ist ein zentrales Element des Gottesdienstes und oft fühle sich ein Pfarrer schlecht, da er sich nicht an sein Konzept gehalten habe. Luther meinte dazu: „Es predigt einer ganz anders, wenn er hinaufkommt, als er es hätte tun wollen oder bei sich dachte. Es ist gut, dass einer nur predige, wie es dem Glauben entspricht.“ Zur Ehe führte ein Chormitglied zu dem Stichwort „Ein Weib ist bald genommen, aber es stets lieb zu haben, das ist schwer“ einige Worte aus. „Die beste Zeit im Jahr ist mein“, „Gottes Wort gibt meinem Leben Sinn“, „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“ waren weitere Lieder, die gekonnt präsentiert wurden. Einige Geschichten und Behauptungen über Luther wurden aufgegriffen und ihnen nachgespürt, so u.a.: Luther hat die deutsche Sprache geprägt und von Luther stammt der Satz: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Tatjana Fietz begeisterte mit den beiden mit Inbrunst vorgetragenen Liedern „Over the rainbow“ und „Halleluja“. „Mit dir o Herr die Grenzen überschreiten“, „Jesus, du allein bist genug“ und „Wir sind Gottes Kinder“ waren weitere Lieder, die der Chor perfekt intonierte. Nach Luthers Abendsegen durch Pfarrerin Walter wurde „Dona nobis pacem“ als Kanon von Gemeinde und Kirchenchor geschmettert. Am Ausgang standen für den Nachhauseweg noch kleine Lutherbrötchen mit Marmeladenfüllung parat. So hatte sich der Ausflug in die Reformationsgeschichte in mehrfacher Hinsicht gelohnt.

 

Text: Rainer Ohlheiser