Ökumenische Gottesdienste

Einen bewegenden Gottesdienst erlebten evangelische und katholische Christen der Region in der evangelischen Kirche in Epfenbach. Zum ersten Mal überhaupt werde miteinander als katholische und evangelische Christen das Gedächtnis der Reformation gefeiert, machte die evangelische Pfarrerin Ulrike Walter bei der Begrüßung deutlich. Der katholische Pfarrer Joachim Maier nannte als die beiden zentralen Anliegen die gemeinsame Bitte um Gottes Erbarmen für das, was Christen der verschiedenen Konfessionen einander angetan hätten sowie den Dank für das, was man aneinander habe.

Konkret wurde benannt, wo in der Vergangenheit Gräben aufgerissen worden waren, man bekannte einander die jeweilige Schuld. Gegenseitig baten die Gläubigen um Vergebung für die jahrhundertelangen Verletzungen, Verfolgungen und Ausgrenzungen, die man einander zugefügt habe.

Gemeinsam wolle man gemäß des Auftrages Jesu Christi einen Weg der Versöhnung einschlagen, denn auch Gott sei diesen Weg der Versöhnung gegangen. Er habe alle Christen beauftragt, Botschafter der Versöhnung in der Welt zu sein. 

Das Kreuz, das zu Beginn des Gottesdienstes als Sperrsymbol mitten im Altarraum lag, wurde aufgerichtet und zu einem Versöhnungssymbol. Miteinander stellten sich die beiden Geistlichen, und am Ende des Gottesdienstes alle Mitwirkenden, unter das Kreuz.

In den Worten der Liturgie wurde betont, dass der Weg des Dialogs, den man begonnen habe, weiter fortgesetzt werden solle. Noch gebe es die „Trennung am Tisch des Herrn“, noch habe man „keinen Weg gefunden, im eucharistischen Abendmahl“ die Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander zu feiern.

Mit Gottes Hilfe wolle und könne man den Weg der Versöhnung weitergehen.

„Wir sehen die Heilung der Erinnerung als eine Chance und als eine Ermutigung, auf dem ökumenischen Weg geduldig und zielstrebig weiterzugehen, damit die Einheit unter uns weiter wächst und Abendmahls- und Eucharistiegemeinschaft möglich wird.“ heißt es in der gemeinsamen Verlautbarung der deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland zu diesem Gottesdienst, der in ähnlicher Form wenige Tage später in Hildesheim (Niedersachsen) mit dem Vorsitzenden der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands Heinrich Bedford-Strohm gefeiert wurde.

„Wir danken Gott, dass es Sie gibt und dass Sie den Namen Jesu Christi tragen“, sprachen beide Geistlichen der jeweils anderen Konfession zu. Man könne voneinander lernen und miteinander den Auftrag der Verkündigung des Evangeliums und der Nächstenliebe wahrnehmen.

Am Ende standen Selbstverpflichtungen, in denen die Versprechen enthalten waren, „wo immer es möglich sei, gemeinsam zu handeln und einander aktiv zu unterstützen“. Ebenso wolle man in den Gottesdiensten für den ökumenischen Partner beten.

Viele Gläubige nutzten im Anschluss an den Gottesdienst die Gelegenheit, beim liebevoll vorbereiteten Kirchenkaffee miteinander ins Gespräch zu kommen.